Ein Semester in Helsinki
Nach neun Semestern an den Universitäten Bern und Zürich hatte ich dieses Jahr die einmalige Gelegenheit, an einer dritten Hochschule im Ausland zu studieren. Ich bin sehr froh, dass ich diese Chance genutzt habe. Das Austauschsemester war mit Abstand das aufregendste meiner bisherigen Studienzeit.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich den Grossteil eines Jahres nicht in der Schweiz verbracht, ebenso viel Englisch wie Schweizerdeutsch gesprochen, Freundschaften in ganz Europa geschlossen, mehrmals täglich eine Sauna besucht und beim Check-in das erlaubte Maximalgewicht meines Koffers überschritten.
Mit weniger als sechs Sonnenstunden pro Tag und eisigen minus zehn Grad im Januar wirkt Helsinki auf den ersten Blick nicht wie die naheliegendste Wahl für ein Austauschsemester. Für mich war es jedoch genau die richtige Entscheidung. Nirgendwo sonst konnte ich so authentisch erleben, was einen „richtigen Winter“ ausmacht. Mein Highlight: eine Reise nach Lappland mit Nachtskifahren, Polarlichtern, Temperaturen bis minus 24 Grad, viel Sauna – und gefrorenen Nasenhaaren.
Meine Austauschuniversität, die Aalto University, ist eine junge, moderne Hochschule, die sich deutlich von meinen bisherigen Studienerfahrungen abhob. Besonders die Kurse im Bereich Wirtschaftsinformatik haben mich beeindruckt: hochaktuelle Themen, exzellente Dozierende und ein interaktiver Unterrichtsstil. Die drei Semester à jeweils sechs Wochen waren intensiv und lehrreich.
Neben dem akademischen Angebot hat mich die offene und überraschend lebendige Studierendenkultur begeistert – ganz anders als die zurückhaltenden Stereotypen, die ich zuvor mit Finnland verbunden hatte. Zahlreiche Vereine organisieren regelmässig Events, Partys und Reisen für Studierende. Besonders eindrücklich war das Maifest „Vappu“, bei dem Studierende die ganze Stadt übernehmen und Helsinki für einen Tag in eine einzige grosse Feier verwandeln.
Mein Austausch in Helsinki war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich konnte unglaublich viel mitnehmen – nicht nur akademisch, sondern auch persönlich. Man betrachtet die Schweiz und das eigene Leben aus einer neuen Perspektive, wird reifer und darf gleichzeitig noch einmal unbeschwert die Leichtigkeit des Studentendaseins geniessen.
Für dieses Privileg bin ich allen, die mir den Austausch ermöglicht haben, sehr dankbar. Mein besonderer Dank gilt der Gesellschaft zu Kaufleuten für die finanzielle Unterstützung durch das Stipendium.
Autor: Lorenz Hofmann