Geschichte
Seit dem 14. Jahrhundert prägt die Gesellschaft zu Kaufleuten das Leben in Bern. Aus einer Krämergemeinschaft entstanden, übernahm sie einst zentrale Aufgaben wie die Markt- und Handelspolizei und bewahrte ihre Bedeutung trotz politischem Wandel. Ihre Geschichte erzählt von Privilegien, Verantwortung und einer Gemeinschaft, die bis heute Bestand hat.
Ende des 14. Jahrhunderts tauchte die Krämergesellschaft in den Urkunden und Ratsbüchern der Stadt Bern auf. Neben Krämern und Spezereihändlern gehörten auch Tuchhändler, Tuchscherer, Glaser und Schneider zur Gesellschaft. Die Grenzen zwischen den Handwerksgesellschaften waren damals noch fliessend. Erst später musste sich jede Handwerksgattung in einer eigenen Gesellschaft organisieren. So traten 1460 die Schneider und Tuchscherer zur Zunft zur Schneidern über.
Seit spätestens 1431 hatte die Gesellschaft zu Kaufleuten das Privileg der Markt- und Handelspolizei in der Stadt und den deutschsprachigen Gebieten der Republik Bern. Sie wachte über die Märkte, prüfte Masse und Gewichte und sorgte dafür, dass nur zugelassene Händler teilnehmen durften. Ihre Markt- und Handelsaufseher, die Hänseler, hatten das Recht, Strafen auszusprechen und Bussen zu verteilen. Ein Teil der Einnahmen floss in die Gesellschaftskasse. Als einzige im deutschsprachigen Teil der Republik Bern durfte die Gesellschaft zu Kaufleuten eine Gewürzpulverstampfe betreiben, ein Lehen, für das sie einen Zins entrichtete.
1798 verlor die Gesellschaft zu Kaufleuten mit dem Untergang des aristokratischen Berns auch das Privileg der Markt- und Handelspolizei. Napoleon beschlagnahmte fast das gesamte Vermögen der Gesellschaft. Trotzdem blieb die Gesellschaft zu Kaufleuten wie die anderen Zünfte und Gesellschaften nach der Aufgabenteilung zwischen der Burger- und der neu entstandenen Einwohnergemeinde für die Fürsorge unserer Angehörigen zuständig.